DER SPIRITUELLE WEG DER SIDDHAS
Der spirituelle Weg der Siddhas
“Wenn unserer Mikro-Aspekt nicht kontinuierlich mit unserem Makro-Aspekt verbunden ist, sind wir nichts als wandelnde Leichen.“
Palpandian´s Guru stammt aus einer 900 Jahre andauernden Linie von Existentialisten der Siddha-Tradition. Das Kernprinzip der Aga Guru-Linie besteht darin, die Konditionierungen aufzulösen, die das Absolute verschleiern. Die Sadhana oder Praktiken, sowie Kern-Prinzipien aus Palpandian´s Guru-Linie gehören zur mündlichen Tradition und legen grossen Wert auf verkörperte Meditation als vorbereitende Praxis, um die sich angeeigneten Unwesentlichkeiten abzuwerfen, die aktiv unsere Verbindung mit dem Makrokosmos verdunkeln.
Warum der Körper
Unser denkender Verstand und empfindendes Selbst sind immer im Austausch mit der Welt. Unser empfindendes Selbst dient einer direkten, nicht vermittelnden, nicht konzeptionellen, nicht verbalen, unmittelbaren Erfahrung mit unserem denkenden Verstand, der als Zensor konzeptionalisiert. Wenn der Zensor dominiert, verlieren wir die wertvolle Wahrnehmung eines ganzheitlichen Blicks und werden in einem gefilterten Blick eingeschlossen, ohne Spielraum für Kreativität und Wachstum. Den Zensor abzuschwächen erlaubt unseren propriozeptiven Instinkten, uns zu unserem höheren, intuitiven Selbst zu führen. Letzten Endes müssen wir ausgerichtet sein, so dass der Spirit - versteckt in unserem Körper-Wesen - sich manifestiert, um die Bedeutung des Lebens nutzbar zu machen.
Der Weg der Siddhas von verkörpter Meditation
“Meditation, die uns von der zerebralen Dominanz wegführt, kann als körperbasierte Meditation bezeichnet werden.”
Jeden Moment empfängt unser Körper tausende von Informationen, aber sind uns nur eines Bruchteils dessen bewusst. Verkörperte Meditation hilft unserere Sensitivität, unser Empfinden zu erweitern.
Verkörperung
“Unseren Körper zu bewohnen bedeutet, sein Potential zu entfalten.”
Uns wurde gesagt, dass unser Körper ein Tempel ist - aber ist dies unsere direkte Erfahrung? Wenige spüren die wahre Heiligkeit des Körperraums. Eine das Gehirn betonenden Lebensweise hat uns systematisch weiter und weiter von unseren Körpern entfernt, weshalb wir lediglich an der Oberfläche des tiefen und reichen Ozeans unserer Möglichkeiten schöpfen. Durch Stress, Angst, Unzufriedenheit, Bedeutungslosigkeit, Depression, Druck, Entfremdung, Ziellosigkeit, Konfusion, Unentschlossenheit etc. verunreinigte Psychen sind die Auswirkung dieser Dominanz der linken Hirnhälfte.
Der Weg der Siddhas führt uns dahin, ganz mit unserem Körper zu sein, und ein Leben zu führen, das sich dem Schöpfer in uns hingibt, und unserem inneren Universum von Möglichkeiten. Durch eine verkörptere spirituelle Reise erkennen wir, dass unser Körper in all seinen Dimensionen und Feinheiten mit der Karte der Natur imprägniert ist. Diese spirituelle Beleuchtung und Elixir des Lebens wird gemäss der Siddha-Tradition die Ganzheit des Seins genannt. Wenn wir unter die Oberfläche konzeptionellen Denkens in die stille Tiefe unserer Körpers tauchen, öffnet sich ein Erfahrungs-Feld. Durch Erforschung legen wir das Denken beiseite und fallen in verkörpertes Gewahrsein und einen Weg des Wissens - unabhängig vom konzeptionellen Denken.
Spirituelle Dissoziation
„Bei wahrer Meditation geht es nicht darum, sich in der Mitte des Sturms des Lebens in den sicheren Hafen zurückzuziehen.“
Wir beschützen uns selber mittels unseres Ego-Sinns. Selten zollen wir dem Aufmerksamkeit, was tatsächlich „ist“. Es ist für uns nicht normal, offen und entfesselt zu sein. Während der Meditation sind wir Experten darin, unsere Aufmerksamkeit vom Körper zu entfernen und zu einem gewünschten Zustand aufzusteigen. Wir benutzen Disziplin und Willenskraft. Egoismus, Anstrengung, Seperatismus und Ausschluss sind die Säulen der meisten Meditations-Praktiken. Einige gebräuchlichen Methoden der Meditation klammern den Körper komplett aus, oder richten den Fokus auf exklusive Elemente wie das Beobachten der Atmung. Diese Methoden nutzen den Körper als ein Sprungbrett, um einen transzendentalen aber dissoziierten Zustand zu erreichen. Dies mag bis zu einem gewissen Grad helfen; aber wahre Meditation ist nicht dazu gedacht, uns von den Problemen und Schmerzen in uns zu entfernen. Laut den Siddhas ist eine Trennung unserer selbst vom Ganzen und ein Aufsteigen zu einer Höhe, wo wir entspannen können, ein reduktionistischer Ansatz, der Negativität in Bezug auf die normale Welt hervorbringt. Zunehmendes Lösen und Entkörperlichung im Namen dessen, den höheren Anteil von uns zu fühlen, ist ein Zustand spiritueller Dissoziation, ein Prozess der Betäubung. Inklusion oder Exklusion anzuwenden, welches zu einem gewünschten spirituellen Ziel füht, ist ein Trick des Verstandes. Ein Beharren auf das menschliche Ego. Da entkörperte Praktiken beruhigenden Nutzen haben, mögen sie körperliches, soziales, emotionales und spirituelles Wohlbefinden beeinflussen. Pfad und Meditation der Siddhas ist ein raues und grenzenloses Öffnen in das Reich unverarbeiteter freier Erfahrung. Die spirituelle Reise trennt einen nicht vom Weltlichen - vom Physischen, Unreinen und Problematischen, sondern dient als ein Prozess für einen tieferen Einstieg in diese Bereiche unserer Existenz. Unsere Praktiken dienen dazu, die Dominanz unserer linken Gehirnhälfte aufzugeben - Beurteilung, Ego-Verstand und Ego-Selbst, um in die Tiefen der gewöhnlichen, unverarbeiteten menschlichen Erfahrung unseres vollständig verkörperten viszeralen Lebens hinabzutauchen. Auf dem Weg der Siddhas ist der Körper das Erforschungssubjekt selbst.
© Palpandian
Übersetzung: Volker Dischler